Freitag, 18. September 2009

Hausbau bis zum Dach

Am zweiten Hausbau-Tag starten wir um 10.45 Uhr mit dem zweiten Stockwerk.

Start zum zweiten Bautag

Die Arbeit gestaltet sich nun etwas schwieriger. Da wir kein Gerüst haben, heisst die Sequenz immer wieder: Leiter setzen, Leiter rauf, Leiter runter, Leiter setzen … Zudem müssen die Balken immer höher hinaufgehoben und –gezogen werden, was mit der Zeit in die Knochen geht. Das Haus wächst heute somit wesentlich langsamer als noch am Vortag.

Arbeit in luftiger Höhe

Auch ich hämmere nun mit

Um 15.45 Uhr sind die ersten paar Balkenlagen des 2. Stocks gesetzt

Der Bauherr scheint mit dem Fortschritt zufrieden zu sein

Um 17.15 Uhr haben wir den geraden Teil des zweiten Stockwerks abgeschlossen. Nun beginnt die Dachschräge. Wir schliessen den Tag hier ab, den Rest bis zum Firstbalken werden wir morgen machen.

Arbeitsschluss um 17.15 Uhr

Am dritten Hausbau-Tag nehmen wir um 11 Uhr den Dachteil in Angriff. Für die Stabilität der Seitenteile muss eine Hilfskonstruktion angebracht werden.

Hilfslatten werden angebracht

Die Seiten nehmen Form an

Schon beeindruckend hoch

Die Arbeit ist auch für Zuschauer interessant

Um 13.30 Uhr sind es nur noch wenige Balken

Wir müssen uns immer mehr strecken

Um 14.15 Uhr sind alle Wände hochgezogen. Als nächstes muss der ca. 150 Kilo schwere Firstbalken gesetzt werden. Wir beenden das Tageswerk und warten auf den Bagger, der an einem der kommenden Tage kommen wird, um den schweren Balken hochzuheben.

Schluss des 3. Bautages

Sonntag, 13. September 2009

Schlachtabfälle

Am ersten Septembermontag wird in Schweden die Elchjagd eröffnet. Neben dem Fischen ist die Jagd die grosse Leidenschaft vieler Nordländer. So ist im Moment ein Grossteil der männlichen Bevölkerung Nordschwedens auf der Pirsch. Dementsprechend werden Elche erlegt. Dan meint, man sehe heute viel seltener Elche als noch vor einigen Jahren …

Heute Morgen fragt mich Matthias, ob ich mitfahren wolle, Schlachtabfälle für die Hunde zu holen. Klar will ich.

Wir fahren zum Schlachthof, der eigentlich gar kein Schlachthof ist, denn hier werden die bereits tot angelieferten Elche ausgenommen.

Die Köpfe der alten Elche (diejenigen mit einem grossen Geweih) liegen nebenan, um als Trophäen aufbereitet zu werden.

Gross genug für Trophäen

Er scheint noch zu leben

Die Köpfe der jungen Elche werden zusammen mit den nicht verwertbaren Teilen zu Abfall.

Matthias will eigentlich nur Beine mitnehmen, weil ich aber gerne die kleinen Geweihe haben möchte, nimmt er auch 2 Köpfe mit.


Wir nehmen auch Köpfe mit

Da ich die Geweihe mitnehmen will, muss ich sie auch von den Köpfen trennen. Zurück in Österbo mache ich mich mit etwas mulmigem Gefühl mit dem Fuchsschwanz ans Werk.


Ich habe schon angenehmere Objekte zersägt


Danach geht es an die Verteilung der Schlachtabfälle an die Hunde.


Matthias mit seinen Kindern Balz (links) und Siri

Die jungen Hunde wissen zum Teil nicht recht, was sie mit den Elchteilen anfangen sollen. Doch mit der Zeit begreifen alle, dass man da etwas abnagen kann. Doch es ist eine recht zähe Angelegenheit.

In einigen Zwingern kriegt jeder Hund einen Teil eines Beines, gerecht zersägt, damit es keine Streitereien gibt.




In 2 Zwingern teilen sich alle Hunde einen Elchkopf.



Ganz lassen sich Streitereien nicht vermeiden. In einem Streit gibt normalerweise der rangniedrigere Hund ziemlich schnell nach. Es kann aber vorkommen, dass keiner nachgeben will. Dann sieht es ziemlich furchterregend aus, es wird wild und laut, und es kann sogar Blut fliessen.

Da bin ich lieber auf der anderen Seite der Gitter

Die Elchjagd mag ja Tradition haben und für das ökologische Gleichgewicht sogar wichtig sein, ich sehe Elche trotzdem lieber lebend in ihrer majestätischen Grösse.

Freitag, 11. September 2009

Hausbau in Österbo

Seit letztem Sonntag bin ich wieder bei Matthias und Barblina in der Nähe von Sorsele. Hier war ich schon Ende Juni, Matthias hat Dan und mir damals die Ausrüstung für unsere Mitternachts-Kanufahrt ausgeliehen (zu weiteren Angeboten von Matthias und Barblina siehe www.erlebnis-wildnis.ch).

Als ich ankomme, herrscht viel Betrieb.

Abendessen am Feuer

Unter anderem treffe ich hier auch Dan wieder, der nach unserem Besuch im Juni mit Matthias in Kontakt geblieben und nun für den Winter hierhergekommen ist, um Matthias beim Häuserbau und bei der Häuserrenovation zu unterstützen. Auch ich werde in den nächsten Tagen die Möglichkeit haben, handwerklich aktiv zu werden.

Sozusagen zum Einlaufen bauen wir zuerst 4 Hundehäuser (ok, als ich ankomme, sind die Wände schon zusammengesetzt und gestrichen, wir müssen „nur“ noch die isolierten Böden und Dächer fabrizieren).

Eines der neuen Hundehäuser

Danach gehen wir an das neue Gästehaus. Matthias hat ein zweistöckiges Holzhaus gekauft, das in Einzelteilen geliefert wurde und wie ein grosses, dreidimensionales Puzzle zusammengesetzt werden muss. Geliefert wurde es in 5 grossen Paketen.

Matthias und Dan auf dem Bauplatz vor 2 Holzpaketen

Als erstes müssen die Pakete geöffnet und die Holzteile ausgebreitet und sortiert werden. Beim Ausbreiten sieht man erst, aus wie vielen Teilen das Haus besteht. Für diese Vorbereitung brauchen wir einen ganzen Tag.

Ausbreiten und Sortieren der Teile

Matthias versucht, den Überblick nicht zu verlieren

Beratung zwischen Matthias und Dan

Am Folgetag können wir mit dem Bau loslassen. Allerdings muss das Fundament noch etwas justiert werden.


Matthias mit dem Winkelschleifer

Um 11 Uhr sieht dann die Baustelle folgendermassen aus:

11 Uhr, bereit zum Start

Die einzelnen Teile haben Nuten, die ineinander gehämmert werden müssen. Am Anfang wird noch ganz zaghaft gehämmert.

Matthias hämmert ganz vorsichtig

Doch mit der Zeit geht es dann etwas brachialer zur Sache. Um 11.40 Uhr sind die ersten Balken gesetzt.

11.40 Uhr, die Umrisse zeichnen sich ab

Um 12.25 ist die Veranda beim Eingang gesetzt.

12.25 Uhr, Dan und Matthias sitzen auf der Veranda

Als es um 13.30 einen kleinen Imbiss und Kaffee gibt, kann man schon fast von Wänden sprechen.

Pause vor wachsendem Haus

Beim Transport der Balken gibt es solche, die nicht viel tragen können, solche, die den Rücken schonen müssen, und solche, die sich einfach bedenkenlos reinknien.

Die Balken werden zum Bauplatz getragen

Um 14.35 Uhr sind die Wände schon so hoch, dass das Hämmern mühsamer wird.

Die Wände werden rasch höher

Ich beschäftige mich vor allem mit der Bereitstellung der benötigten Balken in der richtigen Reihenfolge.

Beim Plan-Studium

Für das überdimensionierte Puzzle braucht es nicht nur Kraft, es muss auch ziemlich exakt gearbeitet werden.

Matthias ist etwas skeptisch

Um 15.15 Uhr könnte man sich schon im Haus verstecken.

Zustand um 15.15 Uhr

Aber man kann noch knapp über die Wände ins Innere schauen.

Ursula (Matthias' Mutter, die für 2 Wochen zu Besuch ist) sieht noch über die Wand

Wenn man Dan anschaut, sieht man, dass dieser Bau Spass macht.

Puzzle-Bauen macht Spass

Um 18.45 Uhr kann man nicht mehr über die Wände hinwegsehen.

Sabine (eine junge Schweizerin, die bis Februar hier leben und mitarbeiten wird) muss aussenherum schauen

Als wir um 20 Uhr zusammenpacken, steht schon das erste Stockwerk.

Um 20 Uhr wird es dunkel

Wäre jetzt noch die Zeit der Mitternachtssonne, hätten wir am gleichen Tag glatt auch noch das zweite Stockwerk gebaut. Doch so müssen wir dies auf den Folgetag verschieben.

Sonntag, 6. September 2009

Lindmarks Messer



Der Wettergott hat mich erhört – es regnet. So ist Mats Lindmarks nicht beim Beerenpflücken, sondern in seiner Werkstatt anzutreffen.

Mats in seiner Werkstatt

Im Moment arbeitet Mats an verschiedenen Schreineraufträgen von Arvidsjaurern. In Sachen Messer ist nur eine kleine Serie seiner „Cashcow“-Messer in Bearbeitung, aber auch die ist schon fast fertig.

Schon fast fertig

So kann ich mir nicht alle Schritte der Messerproduktion ansehen, Mats wird mir aber einzelne Ausschnitte zeigen.

Als erstes hat er extra für mich ein Feuer gemacht, um mir das Schmieden der Klingen zu demonstrieren. Eigentlich könnte er auch gestanzte Klingen verwenden, aber erst das Schmieden gibt der Klinge ihre Individualität.

Feuer und Werkzeuge sind bereit

Mats bearbeitet den Stahl

Und zeigt mir, worauf es ankommt

Für die Arbeit am Griff und an der Scheide ist der vertikale Bandschleifer das wichtigste Werkzeug.



Je nach Material und Form werden die Scheiden unterschiedlich verziert. Mats holt ein Messer hervor, dessen Rentierhornscheide er nicht fertig geschnitzt hat, weil er mit der Form nicht ganz zufrieden ist. Er zeigt mir, was für Schritte und Werkzeuge für das Schnitzen nötig sind, damit ich die Schnitzereien dann selber anbringen kann (ich kaufe ihm das unfertige Messer zu einem günstigen Preis ab).

Entwurf des Musters

Anbringen von feinen Markierungen

Und dann wird geschnitzt

Als letzter Arbeitsgang wird jedem Messer der perfekte Schliff verpasst.



Mats produziert im Jahr (vor allem von Januar bis Mai) um die 80 Messer. Das Resultat sind Unikate, denen man wirklich ansieht, dass sie mit viel Herz gemacht worden sind.

Dieses Jahr hat er während der Sommersaison sehr gut verkauft, so dass nur noch ganz wenige Messer übrig sind.

Das ist alles, was noch da ist

Mats bietet seine Messer auch im Internet an. Ansehen kann man sie sich dort, auch wenn bei den meisten "verkauft" steht.

Der Wettergott meint es heute doppelt gut mit mir – als ich Mats‘ Werkstatt nach dreistündigen, sehr interessanten Demonstrationen und Diskussionen verlasse, scheint die Sonne.

Mats, tack för alla bra tips och trix, om hur man tillverkar knivar. Jag tychte det var väldigt intressant med demonstrationen och att få tala med dej.

Freitag, 4. September 2009

Arvidsjaur

Nachdem meine Tochter Jasmin am Mittwoch von Luleå aus wieder in die Schweiz geflogen ist, bin ich Richtung Arvidsjaur losgefahren (da, wo ich vor über 2 Monaten auf Draisinenfahrt war). Da gestern ein wunderbar sonniger Tag war, bin ich unterwegs wandern gegangen. Dabei war es schwierig, nicht auf Heidelbeeren zu treten.

Heidelbeerstrauch

Nach der Ernte

Ernte

Gestern Abend bin ich dann über 11 Kilometer ziemlich schlechter Piste gefahren, um in das Reivo Naturreservat bei Arvidsjaur zu gelangen. Da soll es uralte Föhren haben. Und zum Wandern soll es paradiesisch sein. Doch dumm gelaufen - im heutigen Regen ist Wandern keine Aktivität, die wirklich Spass machen würde.

Im Tourist Office von Arvidsjaur, wo ich am Nachmittag hinfahre (nachdem ich keine Hoffnung auf Wetterbesserung mehr habe) sagt man mir, dass man den Laden und die Werkstatt des Messermachers Mats Lindmarks besuchen kann.


Mats Lindmarks


Mats, 51, hat 15 Jahre lang Holzfällmaschinen (die wirklich grossen) repariert. Danach war er als Lehrer tätig, bevor er sein Hobby zum Beruf gemacht hat – seit 6 Jahren ist er Messermacher. In seiner Schmiede bearbeitet er den Stahl, in der Holzwerkstatt stellt er Griffe und Scheiden her. Jedes Messer ist ein Unikat (bis auf wenige Modelle, die er in Serie als „Cashcows“ herstellt).
Messer produziert er allerdings hauptsächlich von Januar bis Mai, wenn „die Arvidsjaurer schlafen und vor dem Fernseher sitzen“. In den anderen Monaten erledigt er vielfältige Schreineraufträge. Und im Moment ist er so beschäftigt, dass es nicht möglich ist, mit ihm zusammen ein Messer herzustellen (was ich sehr gerne gemacht hätte).
In Zukunft möchte er auch Gitarren bauen. Und sein Traum sind Schiffe. Mit einem Ruderboot will er beginnen.

Merke – wichtig ist, dass einem die Visionen und Träume nicht ausgehen.

Natürlich kann ich diesen Mann nicht verlassen, ohne Messer zu kaufen.

Grosses Messer (30 cm), Birke mit Rentierhorn-Einlage


Mittleres Messer (22 cm), Birke mit Zinn-Einlage


Kleines Messer (13 cm), „Cashcow“ aus Birke

Leider habe ich meine richtigen Kameras (sprich SLRs) nicht dabei, denn eigentlich wollte ich nur kurz ins Tourist Office (und der Weg, den ich zu Fuss gemacht habe, ist zu weit, um die Kameras zu holen). Mit der Canon G9 kann ich keine guten Fotos von Mats bei der Arbeit machen.

Falls morgen Samstag schlechtes Wetter ist, wird Mats arbeiten, so dass ich Fotos machen kann. Bei gutem Wetter wird er aber mit seiner Frau zum Beerenpflücken gehen.

Für einmal hoffe ich auf schlechtes Wetter.