Freitag, 28. August 2009
Jokkmokks Tenn

10 Minuten vor Ladenschluss betreten Jasmin und ich den Laden von Jokkmokks Tenn (Tenn = Zinn auf Schwedisch). Das wird in Stress ausarten, denn die Schaufenster sind voll von wunderbaren Dingen. Doch Leif, der Besitzer von Jokkmokks Tenn meint, es sei nie zu spät zum Verkaufen. Und da wir uns fragen, wie die Verzierungen gemacht werden, setzt sich Leif an seinen Arbeitsplatz und bringt die Verzierungen auf einem „Arctic Light“ gleich vor unseren Augen an. Und zwar überraschend locker und schnell.



Natürlich kaufen wir „unser“ Arctic Light, und dazu noch einige andere Dinge. Da es nach einem längeren Gespräch schon eine Stunde über Ladenschluss ist, beschliessen wir, am folgenden Tag nochmals zu kommen.
Am Folgetag nimmt sich Leif 2 Stunden Zeit, um Jasmin und mich herum- und in die Geheimnisse seiner Firma einzuführen (naja, nicht ganz alle).
Er zeigt uns, wie die Mücken hergestellt werden.
Form für den Guss
Ergebnis des Gusses
Fertige MückeDann zeigt er uns, wie aus einem Blech eine Form gehämmert wird.

Die Verzierung wird vor dem Hämmern angebracht (ist auf dem flachen Blech einfacher)Er zeigt uns, wie Zinnblech zu Bechern getrieben wird, wie der Silberschmuck hergestellt wird, was für Werkzeuge sie verwenden, welche Werkzeuge sie selber herstellen …
Und zum Schluss können wir es selber einmal versuchen.
Jasmin beim Gravieren von Zinn
Das Ergebnis kann sich sehen lassenDann kommt der Meister an die Werkbank und ritzt einen Elch in eine Platte.
Ein Elch entstehtUnd hier noch 2 der Dinge, die wir hier gekauft haben.
Die Göttin Sarakka, die unter dem Herd wohnt (nein, Esther, für Dich haben wir nicht das blaue, sondern das rote gekauft – wir kennen Dich doch)
Das Schneehuhn (Samisch Kiruna) mit der MitternachtssonneMehr ist unter www.jokkmokkstenn.com zu finden.
Ich habe es sehr genossen, Leif zuzuhören und zuzusehen. Ich habe das Gefühl, dass hier ein Mann seine Bestimmung gefunden hat - wofür ich ihn etwas beneide.
Montag, 24. August 2009
Karesuando Kniven
Messer finde ich faszinierend. Sie sind so etwas wie der archaische Gegenpol zu Bits and Bytes. Die Sami haben eine lange Messer-Tradition. Immer wieder habe ich Messer angeschaut, bis ich in Karesuando (der nördlichsten Gemeinde Schwedens) nicht nur geschaut, sondern auch gekauft habe.
Lieferwagen von Karesuando Kniven
Meine 2 Messer (Bilder aus dem Karesuando-Prospekt):


Und 6 Klingen, um eigene Messer zu machen. Um das Karesuando-Logo auf die Klingen machen zu lassen, wurde ich in die Messerfabrik eingeladen.
Karesuando Messerfabrik
Daneben, dass nun auf den Klingen das Logo eingeätzt und mein Name eingelasert ist, habe ich die Messerfabrik besichtigen können.
Werkstatt
Hier wird den Klingen, die vorgängig aus dem Stahlblech gestanzt wurden, die richtige Form gegeben.
An der Schleifmaschine
Rohform vor dem Schleifen
Schleifen der vorderen Rundung
Form nach dem Schleifen
Schärfen der Klinge
An der Wand hängen all die verschiedenen Modelle, die hier hergestellt werden.
Vorlagen
Nach dieser Besichtigung habe ich mich sputen müssen, um rechtzeitig in Luleå zu sein, um meine Tochter Jasmin am Flughafen abzuholen. Sie wird mich knapp 2 Wochen begleiten. Zusammen sind wir von Luleå über den Storforsen (grösste Stromschnellen Europas, siehe Eintrag „Jenseits des Polarkreises“) nach Jokkmokk gefahren, wo wir nach dem gestrigen Regentag im Moment wunderbares Wetter haben.
Zum Wetter: Der im letzten Eintrag beschriebenen Frostnacht sind 2 weitere Frostnächte gefolgt. Danach sind die Temperaturen wieder markant gestiegen. Leider haben diese 3 Nächte aber nicht gereicht, um das Mückenproblem vollends zu lösen.
Lieferwagen von Karesuando KnivenMeine 2 Messer (Bilder aus dem Karesuando-Prospekt):


Und 6 Klingen, um eigene Messer zu machen. Um das Karesuando-Logo auf die Klingen machen zu lassen, wurde ich in die Messerfabrik eingeladen.
Karesuando MesserfabrikDaneben, dass nun auf den Klingen das Logo eingeätzt und mein Name eingelasert ist, habe ich die Messerfabrik besichtigen können.
WerkstattHier wird den Klingen, die vorgängig aus dem Stahlblech gestanzt wurden, die richtige Form gegeben.
An der Schleifmaschine
Rohform vor dem Schleifen
Schleifen der vorderen Rundung
Form nach dem Schleifen
Schärfen der KlingeAn der Wand hängen all die verschiedenen Modelle, die hier hergestellt werden.
VorlagenNach dieser Besichtigung habe ich mich sputen müssen, um rechtzeitig in Luleå zu sein, um meine Tochter Jasmin am Flughafen abzuholen. Sie wird mich knapp 2 Wochen begleiten. Zusammen sind wir von Luleå über den Storforsen (grösste Stromschnellen Europas, siehe Eintrag „Jenseits des Polarkreises“) nach Jokkmokk gefahren, wo wir nach dem gestrigen Regentag im Moment wunderbares Wetter haben.
Zum Wetter: Der im letzten Eintrag beschriebenen Frostnacht sind 2 weitere Frostnächte gefolgt. Danach sind die Temperaturen wieder markant gestiegen. Leider haben diese 3 Nächte aber nicht gereicht, um das Mückenproblem vollends zu lösen.
Dienstag, 18. August 2009
Richtig kalt
Wenn ab Mitte August die ersten Nachtfröste kommen, ist es mit der Mückenplage vorbei, heisst es. Der angenehme Teil dieses Satzes ist der mit der Mückenplage.
„…und die warmen Schühchen nicht vergessen, denn es ist saukalt da draussen.“ Diesen Satz muss sich Bill Murray in „Täglich grüsst das Murmeltier“ jeden Morgen um 6 Uhr anhören. Dies passt auch zum heutigen Morgen in Saarikoski, Finnland. Nach einer Tiefsttemperatur von -4,2° sah es da kurz vor 6 Uhr folgendermassen aus:



Und über dem Fluss hängt noch ein letzter Rest des Nachtnebels.
„…und die warmen Schühchen nicht vergessen, denn es ist saukalt da draussen.“ Diesen Satz muss sich Bill Murray in „Täglich grüsst das Murmeltier“ jeden Morgen um 6 Uhr anhören. Dies passt auch zum heutigen Morgen in Saarikoski, Finnland. Nach einer Tiefsttemperatur von -4,2° sah es da kurz vor 6 Uhr folgendermassen aus:



Und über dem Fluss hängt noch ein letzter Rest des Nachtnebels.
Montag, 17. August 2009
Gletscher
Der Øksfjordjøkulen am Jøkelfjord (ca. 50 km nordwestlich von Alta) ist der einzige Gletscher Norwegens, der direkt ins Meer „kalbt“. Als wir bei der Anfahrt ein Schild sehen, das Bootsfahrten zum Gletscher anbietet, entscheiden wir uns spontan für diese Variante der Annäherung. Auf Anfrage meint der Besitzer, er könne uns sofort fahren. So erhalten wir auf seinem brandneuen Boot für 24 Personen eine Privatführung. Das ist der Vorteil der Nachsaison (die Leute kommen für die Mitternachtssonne nach Norden, und diese Zeit ist jetzt vorbei).


In den letzten Jahren hat sich die Eismasse beträchtlich verkleinert. In den Felsen sind die Eisstände von früheren Jahren markiert (im Bild mit Pfeilen verdeutlicht).
Der Gletscher zieht sich zurück
Unser Fahrer meint, dass die untere Eismasse in ca. 5 Jahren völlig weg sein könnte. Dann wird Norwegen keinen Gletscher mit direktem Meeranschluss mehr haben.
Erst bei der Rückfahrt steht die Sonne günstig für Fotos auf dem Boot.
Esther im Gespräch mit unserem privaten Reiseleiter
Volle Kraft voraus
Ein letzter Blick zurück
Nach der Bootstour plaudern wir noch mit unserem Fahrer. Er erzählt von Walen, die ab und zu in den Fjord kommen, von Rentieren und Elchen, die auf ihren Wanderungen durch den Fjord schwimmen. Die Wintertemperaturen sollen dank Golfstrom hier auf 70° nördlicher Breite nicht kälter sein als die Temperaturen in Zürich. Ein Ort zum Auswandern …
Zurück beim Camper fahren wir noch die restlichen 1,5km bis zum Ende der Strasse. Von dort brechen wir zu Fuss nochmals Richtung Gletscher auf. Zwar kommen wir nicht mehr so nahe an den Gletscher wie mit dem Boot, doch …
… zuerst sichtet Esther einen Elch, der durch den Fjord schwimmt. Kaum zu glauben, er schwimmt hoch erhobenen Hauptes die ca. 2 km durch das 4° kalte Wasser.
Schwimmender Elch

… kaum ist das vorbei, ertönt ein lautes Donnergrollen. Während ich für alle Fälle schon das Teleobjektiv montiere, ruft Esther, dass der Wasserfall vom oberen zum unteren Gletscherteil versiegt ist. Offenbar sind Eismassen abgebrochen, die den Wasserfall verstopft haben. Im Moment, als das Wasser wieder zu fliessen beginnt, bin ich mit dem 400er-Tele bereit. Langsam kommt das Wasser wieder, das aufgestaute Wasser folgt, bis sich der Wasserfluss wieder normalisiert.


Nach diesen Erlebnissen jenseits des 70. Breitengrades hat uns unsere Reise zurück nach Tromsø geführt, wo Esther am letzten Freitag das Flugzeug nach Zürich bestiegen hat. Und mit Esther scheint auch die Sonne das Land verlassen zu haben. Auf dem Flughafen hat sie noch geschienen, doch keine 2 Stunden später hat es schon geregnet. Skibotn, der Ort, an den ich gleichentags noch gefahren bin, gilt gemäss Reiseführer als sonnenreichster Ort Nordnorwegens. Seit 3 Tagen warte ich vergebens darauf, dass der Reiseführer recht behält. Temperatur maximal 13°. Die Zeit der langen Unterhosen ist zurück. Vorteil: Die Milch wird nicht mehr schlecht.


In den letzten Jahren hat sich die Eismasse beträchtlich verkleinert. In den Felsen sind die Eisstände von früheren Jahren markiert (im Bild mit Pfeilen verdeutlicht).
Der Gletscher zieht sich zurückUnser Fahrer meint, dass die untere Eismasse in ca. 5 Jahren völlig weg sein könnte. Dann wird Norwegen keinen Gletscher mit direktem Meeranschluss mehr haben.
Erst bei der Rückfahrt steht die Sonne günstig für Fotos auf dem Boot.
Esther im Gespräch mit unserem privaten Reiseleiter
Volle Kraft voraus
Ein letzter Blick zurückNach der Bootstour plaudern wir noch mit unserem Fahrer. Er erzählt von Walen, die ab und zu in den Fjord kommen, von Rentieren und Elchen, die auf ihren Wanderungen durch den Fjord schwimmen. Die Wintertemperaturen sollen dank Golfstrom hier auf 70° nördlicher Breite nicht kälter sein als die Temperaturen in Zürich. Ein Ort zum Auswandern …
Zurück beim Camper fahren wir noch die restlichen 1,5km bis zum Ende der Strasse. Von dort brechen wir zu Fuss nochmals Richtung Gletscher auf. Zwar kommen wir nicht mehr so nahe an den Gletscher wie mit dem Boot, doch …
… zuerst sichtet Esther einen Elch, der durch den Fjord schwimmt. Kaum zu glauben, er schwimmt hoch erhobenen Hauptes die ca. 2 km durch das 4° kalte Wasser.
Schwimmender Elch
… kaum ist das vorbei, ertönt ein lautes Donnergrollen. Während ich für alle Fälle schon das Teleobjektiv montiere, ruft Esther, dass der Wasserfall vom oberen zum unteren Gletscherteil versiegt ist. Offenbar sind Eismassen abgebrochen, die den Wasserfall verstopft haben. Im Moment, als das Wasser wieder zu fliessen beginnt, bin ich mit dem 400er-Tele bereit. Langsam kommt das Wasser wieder, das aufgestaute Wasser folgt, bis sich der Wasserfluss wieder normalisiert.


Nach diesen Erlebnissen jenseits des 70. Breitengrades hat uns unsere Reise zurück nach Tromsø geführt, wo Esther am letzten Freitag das Flugzeug nach Zürich bestiegen hat. Und mit Esther scheint auch die Sonne das Land verlassen zu haben. Auf dem Flughafen hat sie noch geschienen, doch keine 2 Stunden später hat es schon geregnet. Skibotn, der Ort, an den ich gleichentags noch gefahren bin, gilt gemäss Reiseführer als sonnenreichster Ort Nordnorwegens. Seit 3 Tagen warte ich vergebens darauf, dass der Reiseführer recht behält. Temperatur maximal 13°. Die Zeit der langen Unterhosen ist zurück. Vorteil: Die Milch wird nicht mehr schlecht.
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