Montag, 15. Juni 2009

Oh, no no, it's terrible!

Wusst' ichs doch. Ich bin im Jahrhundertschlechtwetter!

Vor dem geschlossenen Jamtli-Museum (in Schweden sind die Museen offenbar am Montag immer geschlossen, obwohl ein verregneter, windiger und kalter Montag ein wunderbarer Museumstag sein könnte) habe ich eine Einheimische gefragt, ob das Wetter hier immer so sei. Ihre Reaktion war ein entsetztes "Oh, no no, it's terrible"

Sonntag, 14. Juni 2009

Schwedens Mitte

Zürich: Sonne°, min. 17°, max. 27
Östersund: Regen, min. 1°, max. 7°, Sturmböen

Das wunderbare Panorama über den Storsjön (See, an dem Östersund liegt) sieht bei diesen Bedingungen so aus:

Panorama vom Hoverberg

Bei diesem Wetter hat sich mir auch das Ungeheuer (wahrscheinlich ein naher Verwandter von Nessie vom Loch Ness), das im See hausen soll, nicht gezeigt.

Als ich gestern gehört habe, wie das Wetter in Zürich ist, hat mich ein ziemlicher Koller erfasst. Denn ich liebe die Wärme, die Kälte hingegen ist eher wie ein Feind, den man bekämpfen muss. Natürlich, Östersund ist etwas nördlich des 63. Breitengrades, da ist es schon etwas kühler. Aber doch bitte nicht so!

Zwischendurch gibt es aber auch ab und zu Abschnitte ohne oder mit nur wenig Regen. Diese nutze ich, um mir ein wenig die Beine zu vertreten.

Auf dem Friedhof von Eskhärad hat es über 300 Lebensbäume an Stelle von Grabsteinen. Das gibt dem Friedhof eine sehr leichte und friedliche Note.


Lebensbaum


Im Naturreservat Fänstjarnskogen, in dem ich eine Nacht verbracht habe, gibt es einen wunderbaren Wanderweg durch Urwald und über Sumpf und Moor.


Pfad durch den Urwald


Baufällige Brücke über den Sumpf

Den Hamra Nationalpark, den kleinsten Nationalpark Schwedens, kann man in etwas mehr als einer Stunde umrunden. Ein wunderbar friedlicher Ort.


Plankenweg über Sumpfgebiet


Und da es in Schweden überall Wasser hat und es zudem sehr hügelig ist, fehlen Wasserfälle auch nicht.

Wasserfall in Noppikoski

Wenn ich Rückschau halte, sehe ich, dass auch unter diesen erschwerten Bedingungen einiges möglich ist (das Wetter ist seit 4 Tagen so). Auf die Gefahr hin, als Warmduscher zu gelten, habe ich zu meinem Wohlergehen beschlossen, den Camper auf 17°-18° zu heizen.

Besserung ist noch nicht in Sicht, aber es kann ja nicht ewig so weitergehen, oder?

Samstag, 13. Juni 2009

Südschweden

Schweden, das Land von Ikea, Abba, Astrid Lundgren, Björn Borg und Söderling.
Den historischen Sieg von Federer in Roland Garros habe ich auf einem Parkplatz in der Nähe von Falkenberg auf dem DVB-T-Empfänger meines GPS-Geräts verfolgt. Da ein Schwede sein Gegner war, war das schwedische Fernsehen live mit dabei.

Auf meiner Fahrt in den Norden ist es vor allem die grandiose Natur, die mich beeindruckt. Diese Variationen von Wasser, Wald und Fels in 1000 Kombinationen sind faszinierend. Hier hat es Übernachtungsplätze in totaler Abgeschiedenheit, wo sich Fasane im Staub suhlen, Schlangen zwischen den Felsen verschwinden, Hasen am Camper vorbeispazieren, Rehe grasen ...

Leseplatz am Meer bei Bua


Sonnenuntergang bei Bua


Blick aus dem Küchenfenster im Naturreservat Svartedalen

Leseplatz im Naturreservat Svartedalen

Sonnenuntergang im Naturreservat Svartedalen


Daneben kommt auch das kulturelle Interesse nicht zu kurz. Ein Highlight waren die Felsritzungen um den Ort Tanum, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehören. Diese Figuren wurden in einer Periode von 1800-300v.Chr. in die Felsen geritzt. An den 4 Orten, die ich besucht habe, hat es ca. 20 solcher Felsen. Damit die Figuren besser sichtbar sind, wurden sie mit roter Farbe ausgemalt, wobei die Farbe z.T. schon stark ausgewaschen ist.

Hauptfels von Vitlycke

Die bekannteste Szene auf dem Fels von Vitlycke ist das Brautpaar, das von einem Priester mit erhobener Axt gesegnet wird. Eine andere Interpretation ist, dass der gehörnte Ehemann den Geliebten seiner Frau in flagranti erwischt und ihn erschlägt.


Das Brautpaar von Vitlycke

"Mit erhobenen Armen grüsst die Frau von Fossum ihre Besucher. Die Schalengrube (roter Punkt) zwischen ihren Schenkeln wurde als Ei oder Vulva, das weibliche Geschlecht, interpretiert. Beider sind Symbole für das Leben. Andere wollen die Geburt eines Kindes im Bild sehen." So die Infotafel zu folgendem Bild.


Die Frau von Fossum


Der Fels von Litsleby wird von einem Speergott dominiert. Diese Figur ist mit 2,5 Metern die grösste Felsritzungsfigur Skandinaviens.

Der Riese von Litsleby

Unter den dargestellten Figuren hat es tausende von Schiffen. Sie werden als Schiffe, auf denen man durch das Leben und den Tod fuhr, interpretiert.


Schiff in Askeberget

Inzwischen bin ich auf 61°45' nördlicher Breite angelangt. Hier sind die Nächte schon sehr kurz, wobei es nicht mehr ganz richtig dunkel wird. Ab 66° nördlicher Breite geht die Sonne dann gar nicht mehr unter. Um das wirklich erleben zu können, braucht es aber besseres Wetter als wir im Moment hier haben. Es regnet in Strömen (nicht zum ersten Mal in den letzten paar Tagen), und die Wetterprognosen sind nicht besser.

Montag, 8. Juni 2009

Dänemark

Jetzt habe ich Lust, in den Norden zu kommen.

Brücke über den Storebaelt

Auf meiner Fahrt durch Dänemark wollte ich deshalb nur 2 Orte besuchen: Die Aquarien des Meeresforschungszentrums Fjord&Baelt in Kerteminde sowie den Dom von Roskilde.

Fjord&Baelt war eine Enttäuschung: 2 kleine Becken mit Robben und Schweinswalen, durch einen "Kellergang" mit Bullaugen hätte man theoretisch etwas gesehen, wenn das Wasser nicht so trüb gewesen wäre. Zudem ein Informationsausstellung, die für Familien mit Kindern ideal ist. Gefallen hat mir immerhin ein Aquarium mit Schollen. Das ist ein Fisch, der eigentlich hochformatig gebaut ist, aber beide Augen auf der gleichen Seite des Körpers hat, und so flach am Meeresboden lebt.

Scholle am Meeresboden

Der Dom von Roskilde gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Von aussen scheint mir der Bau nicht wirklich überwältigend. Wie er innen aussieht kann ich leider nicht beurteilen, denn er war den ganzen Tag für Besucher geschlossen.


Dom von Roskilde


Ist aber alles kein Problem. In der Zwischenzeit bin ich in Schweden, bei wunderbarem Sonnenschein mit Blick auf den Strand und das Meer. Da sind solche Unpässlichkeiten schnell abgehakt.

Freitag, 5. Juni 2009

In Deutschlands Norden

An Hamburg dürfe ich nicht einfach vorbeifahren, mindestens den Hafen solle ich besuchen, wurde mir gesagt. Und da meine Frau ab und zu von einer Hafenrundfahrt in Hamburg erzählt, die sie als Jugendliche allein unternommen hat, will ich auf ihren Spuren wandeln und eine Hafenrundfahrt machen.
Ich hatte den Hafen als irgendeine Einheit erwartet, dass man erkennt, was dazugehört, dass es überschaubar ist. Doch schon der Plan der Hafenrundfahrt, die eine Stunde dauert, zeigt, wie verzweigt und verwirrend das Ganze ist.

Plan der Hafenrundfahrt

Der drittgrösste Container-Umschlagplatz Europas, der elftgrösste weltweit, ist eine gewachsene Ansammlung von Umschlagplätzen, Schiffsparkplätzen, Werften, Lagerstätten, Vorratshäusern etc.

Hafenrundfahrt



Nicht zu vergessen, dass der Hamburger Hafen ein Publikumsmagnet ist. In St. Pauli reihen sich Souvenirläden, Imbissbuden, Restaurants und Hafenrundfahrtsanbieter aneinander.

Ein Hauch von Mississippi in St. Pauli

Am Tag nach dem Hafenbesuch will ich nach Dänemark weiterfahren. Am Morgen erhalte ich aber das Mail eines Bloglesers, der mich fragt, ob ich die Halligen besuchen würde, er wolle schon lange da hingehen. Wikipedia klärt mich auf, was unter "Halligen" zu verstehen ist:

"Die Halligen sind kleine, nicht eingedeichte Inseln im nordfriesischen Wattenmeer an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins. Die "sichtbare" Besonderheit einer Hallig besteht darin, dass eine Hallig während einer starken Flut mit Ausnahme der Warften, künstlich aufgeschütteten Hügeln auf denen die Häuser stehen, überspült wird („Landunter“). ..."

Der Tipp kam punktgenau zum richtigen Zeitpunkt, anstatt direkt nordwärts zu fahren, halte ich nordwestwärts. Allerdings stellt es sich als nicht ganz einfach heraus, Informationen zu finden, welche Hallig ich wie besuchen soll. Am Wohnmobil-Stellplatz (das Tourist Office ist bei meiner Ankunft bereits geschlossen) in Dagebüll finde ich schliesslich Flyer mit Vorschlägen. Da erst in drei Tagen eine Wattwanderung zu einer Hallig stattfinden wird, werde ich am folgenden Morgen ein Schiff von Schlüttsiel nach Hooge und Langeness nehmen.

Der Verkäufer der Schifffahrkarte meint, für Tagestouristen sei Hooge interessanter als Langeness, ich solle doch da aussteigen. Also Hooge.

Selbstportrait auf der Fähre Hilligenlei I

Am Anlegeplatz auf Hooge steigt man von der Fähre und fragt sich, was man jetzt nun tun soll. Flache Wiesen breiten sich aus, ab und zu eine Warft mit Häusern drauf.

Warften auf Hooge

Also einfach mal der Strasse nach, ich habe 4 1/2 Stunden Zeit. Im Endeffekt verbringe ich die ganze Zeit wandernd und fotografierend, umrunde dabei praktisch die Insel. Natur pur. Die Halligen sind Vogelparadiese.









Auf einer Infotafel lese ich, dass nach dem Bau des Sommerdeichs nur noch 10 Mal pro Jahr Landunter sei (vorher waren es 50 Mal). Eine reinrassige Hallig ist Hooge also nicht mehr. Salzliebende Pflanzen seien dadurch zurückgedrängt worden, der grösste Teil der Insel besteht nun aus Fettwiesen.

Spektakulär muss eine Sturmflut mit Landunter sein. Leider komme ich erst ganz am Ende meiner Wanderung zum Sturmflutkino, so dass ich vor der Abfahrt des Schiffes (es fährt nur eines) keine Zeit für den Film mehr habe. Ich muss mich mit dem Bild auf einer Kutsche begnügen.



Auf der Rückfahrt von Hooge nach Schlüttsiel (es ist jetzt Niedrigwasser) passieren wir Robben, die sich auf einer Sandbank sonnen.

Robben vor einer Warft von Langeness

Ich habe hier einen sehr angenehmen und beschaulichen Tag verbracht, an dem nicht einmal der Wind (für Schweizer Verhältnisse in Sturmstärke) gestört hat. Leider hat mir die Sonne dabei das Gesicht ziemlich verbrannt.

Unterdessen habe ich die erste Nacht in Dänemark verbracht (es hat geregnet und war kalt). Ich werde mich hier nicht lange aufhalten, sondern zügig nach Schweden weiter fahren.